Meine Erfahrungen

Meine Erfahrungen

Das Thema Nahrungsmittelunverträglichkeiten in die Öffentlichkeit zu bringen, liegt mir sehr am Herzen.

Nach einer langjährigen Odyssee, wo zu Beginn die Diagnose Reizdarm gestellt wurde, weiß ich nun, was meinem Darm und Körper wirklich schadet.

Neben diversen Allergien und Kreuzallergien, einer Fruktoseunverträglichkeit und einer Histaminintoleranz, wurde letztendlich die Diagnose orale Nickelallergie gestellt.

Durch meine “gesunde Ernährung” der Jahre zuvor, hatte ich mich unbewusst selbst ins Aus geschossen, da unter anderem Sojaprodukte, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Gluten freie Lebensmittel und verschiedene Obst und Gemüsesorten höhere Mengen an Nickel enthalten. Die hohen Dosen Nickel in der Nahrung führten zu einer allergischen Reaktion, bei der mein Körper Histamin ausschüttete. Der Stress tat sein Übriges.

Mein Körper kam schlicht mit dem Abbau des Histamins nicht hinterher, vor allem wenn ich dann zusätzlich sehr histaminhaltige Sachen wie Tomatensoße mit scharfen Gewürzen und Parmesan aß. Dazu noch ein Glas Rotwein und die pseudoallergische Reaktion war vorprogrammiert.

Die Symptome erstreckten sich bei mir von Urtikaria (Nesselsucht), Magen-Darm-Beschwerden, Sehstörungen, Migräne, Schmerzen im Bewegungsapparat, melancholische Momente, ein sehr unangenehmes Engegefühl im Hals, ein erhöhter Puls bis hin zu einer Art Panikattacke mit Blutdruckspitzen und diffusen anderen Symptomen.

Nach einer Nickelkarenz von acht Wochen, besserten sich meine Beschwerden sehr schnell um gefühlt 80% und ich kann seitdem wieder viel mehr Lebensmittel essen. Vor allem die Symptome der Histaminintoleranz gingen stark zurück, sodass ich selbst histaminreiche Lebensmittel, wie Tomaten und Erdbeeren, in kleinen Portionen wieder essen kann.

Die Fruktoseintoleranz hat sich auch gebessert. Ich denke, dass aufgrund der Reizung des Darms die Fruktosetransporter nicht die Möglichkeit hatten, ihren Job gut zu machen. Sehr stark aufpassen muss ich allerdings weiterhin bei den echten Lebensmittelallergien.

Ich möchte euch mit meinem Blog Mut machen und zeigen, dass ein genussvolles Leben mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten möglich ist.
Es war ein langer und beschwerlicher Weg, bei dem ich auch viel mit Unverständnis aus meinem Umfeld zu kämpfen hatte.

Es ist häufig gar nicht so leicht von seiner Familie, Freunden, Bekannten und Kollegen Verständnis zu bekommen. Viele sind einfach schlichtweg überfordert. Was man auch niemandem übelnehmen kann. Vor allem wenn man selbst auch noch nicht genau weiß, was einen nun wirklich plagt.

Mitunter habe ich mich ziemlich eingeschränkt. Einladungen zu Partys und Essen gehen in Restaurants trieben mir immer die Schweißperlen auf die Stirn. Entweder war ich mal wieder in einer Auslassdiät oder es fühlte sich ein bisschen wie Russisch Roulette an. Überstehe ich diese Mahlzeit ohne Notaufnahme?

Ich habe das subjektive Gefühl, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten zunehmen. Ist das so? Oder ist es nicht vielleicht so, dass die Menschen sich nicht länger mit der Ausschlussdiagnose Reizmagen und Reizdarm abfertigen lassen wollen, um anschließend still zu leiden?

Denn selbst die Schulmedizin ist langsam soweit, anzuerkennen, dass bei unklaren Magenschmerzen und Reizdarm doch noch mehr dahinterstecken könnte als nur die Psyche.

Was mir sehr geholfen hat, allerdings mit etwas Aufwand verbunden, ist das Führen eines Ernährungs- und Beschwerdetagebuches. Vor allem bei Allergien, die zum Typ Spätreaktion gehören, wie die Nickelallergie.
Denn mitunter treten Reaktionen erst nach einigen Stunden oder sogar Tagen auf. Und wer kann sich dann noch erinnern, dass der Nusskuchen vom Sonntag vielleicht verantwortlich ist für den Ausschlag am darauffolgenden Mittwoch?

Das Führen dieses Tagebuches gab mir auch die Möglichkeit, auf der Meta-Ebene auf meine Beschwerden und die Auslöser zu schauen, vor allem in Zusammenarbeit mit einer Ernährungsberaterin. Damit konnte ich gezielt auffällige Lebensmittel herauskristallisieren und schulmedizinisch abklären lassen.
Über das Führen des Ernährungs-und Beschwerdetagebuches bin ich schlussendlich auch auf die Nickelallergie gestoßen. Ich konnte mir einfach nicht erklären, warum eine streng histaminarme und sogar salicylatarme Ernährung nicht zu einer Verbesserung meiner Beschwerden führte.

Nach der Testung auf Nickel bei einem Umweltmediziner fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich ernährte mich mit meinem täglichen Haferporridge morgens, den Nüssen zwischendurch und dem Hirsegericht am Mittag zwar sehr gesund aber auch leider sehr nickelreich.

Die Besserung meiner Beschwerden nach der Nickelkarenz lassen es heut wieder zu, dass ich in geringen Maßen auch nickelhaltigere Lebensmittel konsumieren kann. Jeder hat für sich eine individuelle Toleranzgrenze.

Ein genussvolles Leben mit oraler Nickelallergie und weiteren Allergien und Intoleranzen ist nach meiner persönlichen Erfahrung möglich!
Natürlich kann ich viele Lebensmittel, Fertiggerichte und Fast Food nicht, oder nur in sehr geringen Mengen, essen.

Ich sehe aber nicht mehr die Einschränkungen und den Aufwand am selber kochen, sondern freue mich über die immer noch mögliche Vielfalt und den Genuss, und beschäftige mich nun viel achtsamer mit dem Thema Essen und Ernährung.

Wenn ich eingeladen bin, bringe ich grundsätzlich einen Kuchen oder Muffins und einen Salat mit und erkläre in drei knappen Sätzen den Grund. Das klappt sehr gut und erspart mir Diskussionen und mein Gegenüber fühlt sich nicht in der unangenehmen Situation mir nichts anbieten zu können.

Diesen Genuss und die wieder gewonnene Freude am Essen möchte ich dir gern vermitteln.

Daher wünsche ich dir ein kurzweiliges Lesevergnügen auf meinem Blog.

Herzliche Grüße

Rike